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Zu meiner Auffassung von Kunst, zu meiner Arbeit
Der erste Ausgangspunkt meiner künstlerischen Tätigkeit beruht auf meinem Interesse an meiner Umwelt, meinem persönlichen Blick auf sie; der nächste basiert auf der Freude und Lust am Umgang mit Farben und Formen, am Malen selbst. Entsprechend gleich wichtig sind mir konzeptuelle und ästhetische Aspekte in meiner Kunst.
Ganz allgemein halte ich es für ein wichtiges, ja unbedingtes Kriterium für Kunst, dass ein Werk einen über sich selbst hinausweisenden Aspekt beinhaltet. Ob dieser nun zeitbezogen, persönlich, gesellschaftlich, ästhetisch, religiös, oder philosophisch ist, ist zunächst sekundär. Jedoch sollte er sich über das Werk selbst erschließen lassen.
Auf der anderen Seite habe ich nichts dagegen, wenn Kunstwerke auch dekorative Zwecke erfüllen, und entsprechend der allgemein-menschlichen Empfindung von Ästhetik, "zeitlos" funktionieren.
Aber die ästhetische Oberfläche sollte den inhaltlichen Kern der Kunst doch niemals ersetzen oder verdecken. Nicht nur an meine eigenen Arbeiten stelle ich den Anspruch, daß sie aus sich selbst heraus Interesse wecken können sollte und sich (wenigstens in Ansätzen) selbst erklären.
Die inhaltliche konzeptuelle Seite meiner eigenen Arbeit beginnt mit der Wahl des Mediums, der Themen und Motive. Die Wahl des Mediums Malerei bedeutet im Diskurs zeitgenössischer Kunst bereits eine Position. Im stärksten Maße mit der klassischen Idee von "Kunst" assoziiert , hat ein gemaltes Bild automatisch die gewissermaßen pathetische "Aura" des Kunstwerkes. Diesen Pathos des Mediums selbst setze ich malend ein, um mit menschlicher Wärme und zum Teil auch ironisierend meine subjektiven Ansichten ausdrücken.
Wenn ich jedoch meine Eindrücke und Gedanken in einer objektiver wirkenden Form zeigen will, so wähle ich durchaus auch andere Medien, meistens Fotografie. Solche Arbeiten sind auf der Seite "Andere Arbeiten" beschrieben.
Über die Wahl der Themen und Motive, die ich normalerweise in meiner unmittelbaren Nähe finde, und die auf meiner eigenen persönlichen Anschauung und Erfahrung basieren, ist meine Arbeit über meine Person fest in der Gesellschaft verwurzelt. Ich reflektiere in meinen Bildern einen Zustand unserer Gesellschaft. Entsprechend meines persönlichen Lebensrahmens und der Überzeugung eine authentischen Aussage am ehesten über das Naheliegendste treffen zu können, beschäftige ich mich oft mit dem unspektakulär Banalen um mich herum. Ich versuche das Typische meiner Umgebung zu erfassen.
Mein Blick wird dabei von verschiedenen Erfahrungen und Interessen gelenkt; zunächst ist da die Ästhetik des Alltags, besonders im Verhältnis von Funktion und Gestaltung, des weiteren interessieren mich die sichtbaren Spuren historischer und gesellschaftlicher Entwicklungen. Diese Betrachtungen sind subjektiv und sollen es sein. Im Zentrum dieser Arbeit steht der Mensch, nicht dargestellt durch Figuren, sondern vielmehr in Negativform, in der Wiedergabe seiner Spuren und seines Lebensrahmens umschrieben. Dabei ist mein Verhältnis zu dem Dargestellten durchaus nicht einheitlich und eindeutig (im Sinne von "Angriff", "Ironisierung" oder "Huldigung") sondern ambivalent, und bleibt den verschiedenen Interpretationsansätzen gegenüber offen.
Die Offenheit und Ambivalenz zu den Motiven mag sich auch in der Ästhetik meiner gemalten Bilder widerspiegeln. Die häufig verwendeten pathetisch wirkende Symmetrien, "bereinigten" Formen und Farben, angepassten Proportionen im Zusammenhang mit der relativ klassischen handwerklichen Umsetzung lassen unterschiedliche Wirkungen zu Stande kommen.
Einen Kontrast zu den Stadtbild- und Architekturbezogenen Arbeiten scheinen die Bilder mit pflanzlichen Motiven bilden. Bei diesen Pflanzen handelt es sich jedoch auch um einen Teil meiner Umgebung, den z.B. beim Essen vor mir auf der Fensterbank sehen. Wie bei meinen anderen Motiven betrachte ich mit der gleichen Faszination für das Typische die sonst eher wenig beachteten Detailsund und stelle sie dar. - Vielleicht wirkt meine Betrachtung dabei meditativ -. Inwieweit man dann die Domestikation des pflanzlichen Lebens metaphorisch auffassen will, überlasse ich dem Betrachter.
Wäre auf die häufig stark gestalteten Kompositionen (Symmetrien; Proportionen etc.) dann die Wahl der Farben und die allgemeine Handwerkliche Umsetzung in traditionellen Techniken hinzuweisen.
In meiner tatsächlichen Arbeit vermischen sich all die verschiedenen angeführten Aspekte wieder, und bilden ein Einheitliches, vielleicht ambivalentes; -- menschliches Ganzes.
Ingo Baumgarten; Januar 2004
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